Polarlichter Fotografieren- So geht´s!

… Nordlichter fotografieren für Anfänger!

Beim fotografieren der Nordlichter, bemerkten wir, wie groß die Probleme Anderer waren dieses phänomenale Naturschauspiel auf Bildern festzuhalten. Daher dachten wir uns, wir geben euch hier einmal eine kurze Anleitung.

Voraussetzungen

Natürlich… zum fotografieren braucht ihr zunächst einmal eine Kamera, bei der ihr die Belichtungszeit, den Fokus, die Blende und den ISO-Wert verändern könnt. Dies alles könnt ihr für gewöhnlich unter der Option „M“ (wie Manuell) einstellen.

 

Idealerweise habt ihr eine Spiegelreflex oder Systemkamera, bei der ihr das Objektiv wechseln könnt. Für meine Aufnahmen habe ich eine Samsung NX 500 verwendet. Dann brauchen wir noch ein Stativ oder etwas womit ihr eure Kamera zum fotografieren stabil hinstellen könnt.

 

Bilder zu dunkel?

Polarlichter sieht man erst so richtig in der Nacht. Da das Licht dann aber sehr schwach ist fallen auch die Bilder sehr dunkel aus. Allerdings können wir die absolute Lichtmenge beim fotografieren durch ein paar Tricks erhöhen.

Unterbelichtetes Nordlicht in Aurora Kurravarra Camp bei Kiruna Schweden (nachträglich bearbeitet)

Belichtungszeit

Dieser Wert wird euer bester Freund sein, wenn es darum geht Polarlichter zu fotografieren. Denn mit einer Verlängerung der Belichtungszeit könnt ihr die absolute Lichtmenge enorm erhöhen. Logisch: Je länger ich ein Bild belichte umso mehr Licht trifft auch auf den Sensor. Für meine Bilder habe ich Zeiten zwischen 15 – 30 Sekunden genutzt. Wichtig ist: Die Kamera darf sich in diesem Moment nicht bewegen oder wackeln, sonst gibt es hinterher schlieren auf dem Bild. Habt ihr starken Wind, dann müsst ihr die Kamera entweder dicht am Boden positionieren oder euch schützend entgegen der Windrichtung stellen. Je nach verwendeter Blendeneinstellung könnt ihr mit der Belichtungszeit experimentieren.

Blende

Die Blende könnt ihr euch wie ein Loch vorstellen. Dieses müssen die Lichtstrahlen passieren, wenn sie auf den Bildsensor treffen. Je größer diese Öffnung desto mehr Licht fällt ein. Allerdings auch nicht mehr so zielgerichtet wie bei einer kleinen Öffnung, dadurch geht die Tiefenschärfe beim fotografieren verloren. Die Blendenzahl wird typischerweise mit dem Zeichen f angegeben. Ein Hoher f-Wert bedeutet ein kleinen Blenden-Durchmesser, ein kleiner Blendenwert einen großen Blenden-Durchmesser. Wir wollen helle Bilder, folglich eine große Öffnung also einen möglichst kleinen f-Wert. Einige Objektive erlauben wirklich geringe Blendenzahlen von f1.4, typisch sind eher f2.8 bis f3.5 als kleinster Wert. Meine Polarlicht-Bilder habe ich mit Blendenzahlen von f2.0 und f3.5 geschossen. Noch ein interessanter Fakt am Rande: Mit einer Halbierung der Blende vervierfacht sich die Belichtungszeit, welche ihr benötigt um die gleiche Helligkeit im Bild zu erreichen. Weiterführendes…

ISO-Wert

Beim ISO-Wert solltet ihr aufpassen. Mit ihm regelt ihr die Sensorempfindlichkeit. Somit lösen die Pixel auf dem Sensor ein stärkeres Signal aus bzw. werden stärker ausgewertet. Allerdings geht mit hohen ISO-Werten auch ein Bildrauschen einher, denn Fehlinformationen einzelner Pixel des Sensors werden auch verstärkt. Zu diesen Fehlinformationen zählen: das Schrottrauschen, der Dunkelstrom und eine unterschiedliche Empfindlichkeit der Pixel auf dem Sensor selbst. Weiterführendes… Je nach Kamera kann der Wert unterschiedlich hoch verwendet werden, ohne dass Rauschen bemerkbar wird, aber das müsst ihr vorher selbst ausprobieren. Mein Tipp: Nicht höher als mit ISO 400 fotografieren!

Beispiel für Belichtungszeit, Blendenzahl und ISO-Wert auf der Samsung NX 500

 

Fokus

Ein großes Problem bei Nacht ist der Fokus. Mit diesem regelt ihr die Tiefenschärfe, also was im Bild scharf gestellt sein soll: Eher nahe Objekte oder weit entfernte. Bei vielen Kameras funktioniert der automatische Fokus in der Nacht gar nicht, vor allem wenn man weit entfernte Objekte fokussieren möchte. Glücklicherweise sind die Nordlichter ein gutes Stück von uns entfernt. Was wir also wollen ist eine große Tiefenschärfe und die erreichen wir dadurch, dass wir unseren Fokus manuell auf unendlich setzen (Symbolisiert durch: ∞).

Der Taschenlampen Trick

Jetzt haben wir aber noch ein Problem: Der unendliche Fokuspunkt liegt bei AF (Autofokus) Objektiven etwas unterhalb vom Anschlag des Fokusringes. Dies liegt daran, dass diese Objektive noch etwas mechanischen Spielraum benötigen. Entweder euer Objektiv verfügt über eine Markierung oder ihr fügt die Markierung selbst hinzu, z.B. mit einem Edding. Um die Markierung zu finden, einfach mal bei Tag auf etwas weit entferntes fokussieren, z.B. Wolken. Eine weitere Methode, die ich durch einen anderen Hobby-Fotografen in Kiruna gelernt habe ist der Taschenlampen-Trick. Hierzu fokussiert ihr auf jemanden entferntes, der mit einer Taschenlampe leuchtet. Dazu verwendet ihr den Autofokus eurer Kamera. Nachdem ihr den optimalen Fokuspunkt gefunden habt, schaltet ihr wieder auf manuellen Fokus um, dann könnt ihr fotografieren. Aufpassen: Verändert jetzt nichts mehr am Fokus per Hand, sonst müsst ihr das Spiel wiederholen…

Ein weiterer Tipp: Fotografiert ihr Objekte im Vordergrund, so könnt ihr mit diesem Trick auch diese optimal scharf stellen.

Nordlichter Polarlichter in Kiruna

 

Akku

Ihr kennt das bestimmt auch von euren Mobiltelefonen: In der Kälte nimmt die Akkuleistung drastisch ab. Da es an Orten mit Polarlichtern oftmals extrem kalt ist, empfehle ich euch Wechselakkus mitzunehmen oder eine Powerbank. Meine Kamera war die ganze Zeit über an eine Powerbank angeschlossen und hatte dies auch bitter nötig. Ein weiterer Trick besteht darin den Akku warm zu halten in dem die Kamera, wenn sie nicht benötigt wird unter der Jacke und dicht am Körper getragen wird.

Schutz der Kamera – Klimatisieren

Um Schäden an der Kamera zu vermeiden, solltet ihr die Kamera nicht plötzlich der Kälte aussetzen. Es bietet sich an die Kamera in einem Zwischenraum an die Temperatur langsam zu gewöhnen. Auch um das Absetzen von Kondenswasser zu vermeiden, wenn ihr nach dem Fotografieren ins warme kommt. Brillenträger kennen das Phänomen, wenn die Brille plötzlich beschlägt. Nun stellt euch das einmal im Inneren der Kamera mit ihrer feinen Elektronik vor…

Nehmt die Kamera also erst in Betrieb, wenn sie sich an die Umgebungstemperatur angepasst hat. Noch besser: Pakt eure Kamera in einen Luftdichten Plastikbeutel, verschließt ihn mit so wenig Luft wie nur möglich und lasst die Kamera dann langsam klimatisieren.

 

Viel Spaß beim fotografieren. Lasst uns eure Bilder gerne mal zukommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.